Vermögensschaden­haftpflicht für Berufsbetreuer

  • Persönliche Haftung begrenzen
  • Vorraussetzung für Zulassung
  • Vergleich wichtigster Versicherer
  • Tarife ab 15,38 € mtl.

Berufsbetreuer beratet Betreuten im Büro

Haftpflicht für Berufsbetreuer - Beratung ohne Haftungsrisiken?

Als selbständiger Berufsbetreuer arbeiten Sie stets im Spannungsfeld zwischen Betreuten, Angehörigen, Krankenkassen und Ämtern. Geraten Sie zwischen den Fronten, wegen eines Mißverständnisses oder Fehlers, können Schadenersatzansprüche mit hohen Forderungen entstehen.

Anders als ehrenamtlich tätige Familienangehörige muss ein Berufsbetreuer mehr als 10 Betreuungen vornehmen oder mindestens 20 Wochenstunden aufwenden (§ 1836 Absatz 1 Satz 4 BGB). Um die persönliche Haftung des Berufsbetreuer zu vermeiden, ob fahrlässig oder grob fahrlässig verursacht, ist eine Vermögensschadenhaftpflicht zu empfehlen.

Diese kann vom Vormundschaftsgericht gefordert werden (§ 1837 Absatz 2 BGB) und gilt für die Eignungsprüfung durch die Betreuungsbehörde (§ 1897 Absatz 7 BGB) als Standard.


Unterschied zwischen Vermögensschadenhaftpflicht und Betriebshaftpflicht

Was beinhaltet die Berufshaftpflichtversicherung für Berufsbetreuer?

1. Vermögensschadenhaftpflicht - wichtigster Baustein

Wichtig zu wissen, ausschließlich über die Vermögensschadenhaftpflicht sind sogenannte „echte” Vermögensschäden bei beratender, prüfender oder begutachtender Tätigkeit versichert sind. Beispiel: Der Betreuer versäumt die Frist für einen Rentenantrag, sodass ein Teil der Rentenansprüche verjährt ist. Der Schaden kann einige tausend Euro ausmachen.


Beispiele für „echte“ Vermögensschäden:
  • Versäumnis, Forderungen des Betreuten vor der Verjährung geltend zu machen
  • Versäumte oder verspätete Kündigung von Dauerschuldverhältnissen
  • Nichtzustellung einer vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung an Vertragspartner
  • Unterlassene Anzeige von Pflichtwidrigkeiten an das Gericht
  • Ungenügende Überwachung des Vormunds

2. Betriebshaftpflichtversicherung - optional

Die Betriebshaftpflicht kann zusätzlich mit ausgewählt werden. Die Erfahrung zeigt, dass selten Personen- oder Sachschäden entstehen. Jedoch ist die Absicherung bei Bestehen eines Bürobetriebes dringend zu empfehlen. Versichert sind Personen- oder Sachschäden und nur in Folge dessen auch Vermögensschäden.


Beispiele für Personen- und Sachschäden:
  • Betreuter stürzt im Büro über ein Kabel und verletzt sich
  • Beim Verschieben eines Tisches wird der Boden vom Betreuten zerkratzt

Haftung begrenzen

Wenn Betreute durch einen Fehler des Berufsbetreuers einen Vermögensschaden erleiden, wird der Betreuer dafür haftbar gemacht. Ansprüche können in unbestimmter Höhe gestellt werden. Es gilt generell der Grundsatz: Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet (§ 823 Absatz 1 BGB).

Dieses Risiko übernimmt für Berufsbetreuer eine Haftpflichtversicherung. Besonderer Vorteil: Im Versicherungsschutz inklusive ist eine unbegrenzte Nachhaftung. Das bedeutet: Pflichtverletzungen, die während der Laufzeit des Versicherungsvertrags begangen wurden, aber erst nach dessen Ende zu einem Schaden beim Betreuten führen, sind mitversichert – ohne Nachmeldefrist.


Versicherungspflicht für Berufsbetreuer?

Im Gegensatz zu einigen kammerfähigen Berufen wie Rechtsanwalt, Steuerberater, Arzt oder Wirtschaftsprüfer besteht keine gesetzliche Pflicht zur Versicherung.

Ohne eine Vermögensschadenhaftpflicht­versicherung erhalten Sie jedoch keine Zulassung der Betreuungsbehörde als Berufsbetreuer. De facto ist diese damit doch Voraussetzung, um den Beruf überhaupt ausüben zu dürfen. Empfehlenswert ist sie allemal.


Was ist versichert? – die wichtigsten Leistungen

Die Haftpflichtversicherung für Berufsbetreuer kennt keine einheitlichen Bedingungen, sondern kann sich im Detail je nach Versicherer mehr oder weniger unterscheiden. Die wichtigen Unterschiede finden Sie beim Tarifvergleich in unserem Online-Rechner. Besonders auf „offene Tätigkeits-Deckung” ist zu achten, weil so berufliche Nebenrisiken nicht alle einzeln in der Versicherungspolice genannt werden müssen. Wichtig sind folgende Bedingungen:


versichert:

  • Absicherung gegen „öffentlich-rechtliche" Ansprüche
  • Abwicklungstätigkeit nach dem Tod eines Betreuten
  • Nachhaftung bei Aufgabe der Betreuertätigkeit
  • Passive Rechtsschutzfunktion, also Abwehr unberechtigter Schadenersatzforderungen mit Hilfe des Versicherers
  • Schäden durch Verzögerung der Leistung
  • Vertragliche Haftung (über gesetzliche Haftung hinaus)
  • Termin- und Fristversäumnis, beispielsweise durch Planungsfehler
  • Fehlerhafte Beratung und Aufklärung
  • Verletzung von Rechten zum Schutz vor Diskriminierung
  • Datenschutzverstöße
  • Verletzung gewerblicher Schutz- und Wettbewerbsrechte
  • Internet-Risiko, etwa die Übertragung von Viren, Trojanern

nicht versichert:

  • Vorsätzlich herbeigeführte Schäden
  • Schäden durch bewusst pflichtwidriges Handeln
  • Schäden durch wissentliche Pflichtverletzung
  • Gewaltsame Auseinandersetzung
  • Geldstrafen, Bußen, Entschädigungen mit Strafcharakter, falls nicht ausdrücklich mitversichert
  • Geld oder Wertsachen, Schäden durch Kauf oder Verkauf von Wertpapieren
  • Folgeschäden aus nicht oder nicht ordnungsgemäß abgeschlossenen, erfüllten oder fortgeführten privaten Versicherungsverträgen (für Folgeschäden bei Versäumnissen zu Sozialversicherungsverhältnissen besteht dagegen Versicherungsschutz)

Schäden aus der Praxis von Berufsbetreuern

  • Versäumte Zahlung von Versicherungsbeitrag: Ein Berufsbetreuer kümmert sich um einen dementen Hauseigentümer in Vermögensangelegenheiten. Als der Mandant in eine Pflegeeinrichtung zieht, steht das Haus leer. Der Betreuer versäumt, den Beitrag für die Gebäudeversicherung zu zahlen und der Versicherer kündigt die Police. Im folgenden Winter verursacht Frost einen Rohrbruch. Schaden: 35.000 Euro. Der Berufsbetreuer haftet, doch sein Haftpflichtversicherer begleicht die Schadensumme.
  • Kostenersatzpflicht gegenüber Sozialhilfeträger: Ein Berufsbetreuer hatte übersehen, dass wegen ausbleibender Pachtzinszahlungen die Einnahmen der Betreuten nicht mehr ausreichten, um die Beiträge zur freiwilligen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu entrichten. Nachdem der Beitragseinzug der Krankenkasse misslang und auch nach einer Nachfrist der Beitrag ausblieb, kündigte die Kasse. Dadurch erhielt der Betreute im Pflegeheim keine Leistungen mehr – die Sozialhilfe streckte für 15 Monate die Kosten vor und wollte später vom Berufsbetreuer Kostenersatz im sechsstelligen Bereich. Der Berufsbetreuer bestritt grob fahrlässiges Verhalten. Das Landessozialgericht Darmstadt sprach ihn frei, da kein sozialwidriges Verhalten vorlag, sondern „nur“ pflichtwidriges Verhalten gegenüber dem Betreuten (Az.: L 4 SO 193/17). Vor einem Zivilgericht könnten die Angehörigen durchaus Schadenersatz vom Betreuer verlangen. Auch hier würde die Haftpflichtversicherung helfen.
  • Verspäteter Antrag auf Sozialleistung: Ein Berufsbetreuer reicht versehentlich einen Antrag auf Beihilfe für den Betreuten zu spät bei der Beihilfestelle ein. Dadurch ist der Anspruch verjährt. Die Angehörigen des Betreuten fordern den Betrag daraufhin in voller Höhe vom Betreuer. Auch hier kommt der für den Schaden auf.
  • Schaden durch Kündigung privater Versicherung: Die Kündigung einer zusätzlichen privaten Kranken- und Pflegeversicherung kann zur Schadensersatzpflicht eines Betreuers führen, wenn der Versicherungsfall kurze Zeit nach Vertragskündigung eintritt und der Versicherer deshalb keine Leistung mehr erbringen muss. Allein die Tatsache, dass der Betreute über die finanziellen Mittel zur Beitragszahlung nicht verfügt und durch die gesetzliche Krankenversicherung hinreichend abgesichert wäre, rechtfertigt eine Kündigung nicht, sofern der Versicherungsfall bei Kündigung absehbar war, entschied das OLG Koblenz per Beschluss (Az.: 4 W 79/18). Der Berufsbetreuer sei vor einer Kündigung verpflichtet, eine umfassende Risikoabwägung vorzunehmen. Das kostete ihn letztlich 18.000 Euro, die vom Versicherer übernommen wurde.
  • Verpasster Antrag auf SV-Unterstützung bei der Agentur für Arbeit: Ein Berufsbetreuer will ordnungsgemäß bei der Agentur für Arbeit einen Antrag für den Betreuten stellen, damit die Agentur unter anderem Sozialversicherungsbeiträge übernimmt. Doch der Betreute lehnt die Meldung ab und der Berufsbetreuer lässt den Antrag. Als die Krankenkasse schließlich den Beitrag vom Betreuten einfordert, verlangen die Angehörigen, dass der Betreuer dafür aufkommt. Der Haftpflichtversicherer übernimmt auch diesen Schaden (bei einer Privatversicherung hätte er es bedingungsgemäß abgelehnt).
  • Pfändung von Altersvorsorgevermögen aus Riester-Vertrag: Im konkreten Fall ging der Insolvenzverwalter davon aus, dass aufgrund des vereinbarten Kündigungsrechtes im Rentenversicherungsvertrag, die Riester-Rente des Betreuten zur Insolvenzmasse gehört und damit der Zwangsvollstreckung unterliegt. Der Berufsbetreuer unternahm nichts dagegen. Das war so lange unabwendbar, bis der Bundesgerichtshof Ende 2017 entschied, dass Altersvorsorgevermögen aus Riester-Renten unpfändbar ist, sofern die vom Schuldner erbrachten Altersvorsorgebeiträge tatsächlich gefördert worden sind und den Höchstbetrag nicht übersteigen. Berufsbetreuer sind nun verpflichtet, bei Vermögensvorsorge und Vertretung in Insolvenzverfahren gegen eine Pfändung von Altersvorsorgevermögen aus Riester-Renten vorzugehen (Az.: IX ZR 21/17).

Online-Rechner Berufshaftpflichtversicherung Kosten

Kosten berechnen - Tarife vergleichen - online abschließen

Der Jahresbeitrag (inklusive 19 Prozent Versicherungssteuer) richtet sich nach Art, Anzahl und Umfang der Betreuungen, kann sich also von Fall zu Fall deutlich unterscheiden. Typisches Beispiel: Ein Berufsbetreuer der neu ohne Mitarbeiter startet, etwa 25.000 Euro Jahresumsatz erwartet und Vermögensschäden bis 250.000 Euro absichern möchte, zahlt zwischen 15,38 Euro und 31,12 Euro monatlich (Laufzeit: 3 Jahre). Bei höheren Deckungssummen gehen die Beiträge nach oben, wie das Ergebnis im Finanzchecks Online-Rechner belegt.

Rabatte im Online-Rechner, die den Beitrag senken, gibt es vor allem für Existenzgründer (bis 50 Prozent) oder bei längeren Laufzeiten als ein Jahr (bis 10 Prozent). Diese sind in unserem Online-Rechner entsprechend berücksichtigt.


Höhe ausgewählte Versicherungssumme der Vermögensschadenhaftpflicht von Finanzchecks Kunden

Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?

Die Versicherungssumme – im Fachjargon bei Haftpflichtversicherungen Deckungssumme genannt -, sollte ausreichend hoch gewählt werden, um berufstypische Vermögensschäden abzusichern. Bei Unterdeckung muss der Berufsbetreuer den Restschaden sonst aus eigener Tasche bezahlen. Die versicherte Summe für die Vermögensschadenhaftpflicht sollte sich am maximalen Auftragsvolumen ausrichten, aus dem ein Vermögensschaden resultieren kann.


Wo gilt der Versicherungsschutz?

Je nach Tarif (Beruf) und Versicherer ist der Versicherungsschutz regional begrenzt. Einige Tarife beschränken die Deckung auf Deutschland, andere auf Europa und wieder andere gelten weltweit. Entsprechende Informationen sind unter "Tarifdetails" im Online-Rechner einsehbar.


Unabhängiger Vergleich und Tarifbewertungen unserer Versicherungsexperten

Allcura

ALLCURA ist Premiumanbieter​ ​aus Hamburg für individuelle Lösungen​.

Allianz

Allianz gehört mit Gründung 1890 und einem Umsatz von 32 Milliarden zu den größten Versicherer am Markt.

AXA

AXA​ ​bietet über wenige Risikofragen eine Versicherungssumme bis 1 Million Euro an.

Ergo

ERGO​ ​ist weltweit in über 30 Ländern vertreten und bietet ein umfangreichen Tarif an.

HDI

HDI bietet Deckungssummen für Vermögensschäden bis 3 Millionen Euro an.

Hiscox

Hiscox​ ​ist eine modulare Allround-Versicherung zur maßgeschneiderten Absicherung.

Markel

Markel bietet ein einfaches ​Antragsmodell bis 2 Millionen Euro Umsatz​ an​.

R+V

R+V Versicherung hat eine offene Deckung mit Versicherungssummen bis 5 Millionen Euro.

Zurich

Zurich​ hat ein vereinfachtes Antragsmodell bis zu einem Jahresnetto­umsatz von max. 2,5 Millionen Euro.​


Welche weiteren Versicherungen empfehlenswert sind

  • Firmenrechtsschutz - Die private Rechtsschutzversicherung übernimmt keine Streitfälle, die mit Ihrer Selbständigkeit zu tun haben. Und die Vermögensschadenhaftpflicht wiederum übernimmt nur Vermögensschäden, die Sie Betreuten oder anderen Dritten zufügen. Kommt es zu sonstigen beruflichen Streitfällen, schützt einzig die Firmenrechtsschutz-Police vor den finanziellen Risiken eines Gerichtsprozesses, den sie anstrengen wollen. Beispiele: Ärger in geschäftlich genutzten Räumlichkeiten, Streit mit Angestellten oder auch Verkehrsdelikte mit dem Firmenwagen. Privat-Rechtsschutz lässt sich ebenso einschließen wie Verkehrs-Rechtsschutz sowie Spezial Straf-Rechtsschutz für Berufsbetreuer.
  • Inhaltsversicherung - Da Berufsbetreuer in der Regel ein eigenes Büro samt Ausstattung unterhalten, sollte der Büroinhalt gegen Einbruchdiebstahl sowie Schäden durch Feuer, Blitzschlag, Leitungswasser, Sturm und Hagel sowie Vandalismus und Raub (außerhalb des Büros) mitversichert werden. Das ist quasi die „Hausratversicherung für die Firma“. Da kommen oft Werte von 20.000 Euro (= Versicherungssumme) und mehr zusammen.
  • Unfallversicherung - Selbstständige können sich freiwillig gesetzlich gegen Unfälle versichern lassen. Leistungsstärker ist jedoch eine private Unfallversicherung, weil sie das Unfallrisiko nicht nur während der gewerblichen Tätigkeit, sondern rund um die Uhr und weltweit absichert. Noch besser ist allerdings eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie eine Rente bei Invalidität nicht nur durch Unfall zahlt, sondern auch durch Krankheit.